Krebsklausel in der BU

Als neuste Erweiterung in der Berufsunfähigkeitsversicherung gilt bei einer handvoll Versicherern seit kurzer Zeit die Krebsklausel. Diese soll das Leben von BU-Versicherten erleichtern. Ein Blick auf die Bedingungen:

Zunächst einmal: Worum geht es überhaupt bei der Krebsklausel?

Ein normaler Leistungsantrag für die BU-Rente dauert in der Regel mindestens 3 Monate Bearbeitungszeit. Das ist ganz schön lange, wenn ich sowieso schon nicht mehr arbeiten kann und somit kein Einkommen habe. Mit der Krebsklausel bekommt der Versicherte für einen gewissen Zeitraum – in der Regel 15 Monate – die BU-Rente ohne weitere Prüfung ausgezahlt. Der Nachweis erfolgt recht unkompliziert.
So reicht zum Beispiel der Alten Leipziger ein onkologischer Nachweis vom Facharzt oder ein Entlassungsbericht des Krankenhauses. Die Leistung gibt es, sobald eine Chemotherapie begonnen wird oder bevorsteht. Alternativ muss durch eine Operation ein Leben lang Medikamente eingenommen werden, ein Behinderungsgrad vorliegen oder man muss sich in palliativer Therapie befinden. Für eine Versicherungssparte mit vielen Klauseln und Paragraphen, ist diese Definition schon relativ flaxes Deutsch.

Was gibt es dann an Leistung?

Bei den üblichen Verdächtigen liegt die Leistungsdauer gleich auf. HDI, Alte Leipziger, Canada Life zahlen garantiert für vollen 15 Monate die BU-Rente. Die Gothaer Versicherung möchte hier ab Juli 2020 nachlegen und sogar 18 Monate Leistung erbringen. Ein Nachtrag folgt an der Stelle noch.
Die BU-Rente gibt es auch weiter, wenn man wieder Gesund wird. Ob man will oder nicht, denn das stellt beispielsweise die Alte Leipziger hier eindeutig klar:

Bin ich dann auch gleichzeitig berufsunfähig?

Nicht zwingend. Ich habe aber dann Zeit, die normale Berufsunfähigkeitsrente zu beantragen und alle Nachweise in Ruhe zu sammeln. Vor allem kann ich mich auf die Genesung konzentrieren und die ersten Behandlungen ohne finanziellen Stress bewältigen. Wer möchte schon neben Chemotherapien und möglichen Operationen nebenbei einen Papierkrieg mit Deutschlands Behörden beginnen.

Viele meiner Kollegen kritisieren das. Wer sich gegen eine schwere Krankheit absichern möchte, soll doch bitte eine Dread Disease Versicherung abschließen, die speziell dafür entwickelt wurde und auch deutlich mehr Erkrankungen absichert. Doch zu meinem Kundenstamm gehört in erster Linie der Mittelstand. Und wer ohne zu zögern 3-6 Monate ohne Einkommen leben kann, ist kein Mittelstand. Aus diesem Grund ist es für mich entscheidend, dass hier schnell gehandelt wird.

Gibt es noch Erweiterungen zu anderen Erkrankungen?

Die Bayerische bietet im Tarif Prestige ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung Schutz bei Schweren Krankheiten. Die Leistung ist begrenzt auf 6 Monate und die Zahl der Krankheiten übersichtlich.
Die Krebsklausel ist noch relativ jung. Hier überbieten sich jetzt die Versicherer, wer mehr Leistung bietet. Die Ergo und Württembergische stehen ebenfalls bereit und haben ihre Bedingungen an die Alte Leipziger angelehnt. Auch die Voraussetzungen, wann die Leistung greift wird umfangreicher und somit einfacher.

Auszug Tarif Prestige der Bayerischen

Fazit

Die Krebsklausel ist sicher nicht die goldene Lösung. Aber ein sehr guter Anfang, wie die Berufsunfähigkeitsversicherung einfacher funktionieren kann. Als eher praktisch veranlagter Mensch sehe ich es so, dass eine BU möglichst schnell und gut zahlen muss. Wenn ich vor der Zahlung einer BU-Rente erst einmal 3 Monate warten muss, weil die Prüfung so lange geht, dann kann mich das schnell in finanzielle Probleme bringen. Das Ziel sollte dahin gehen, dass weitere Auslöser eine schnelle Rentenzahlung der BU ermöglichen. Das ist der Weg.